Der Ruf des Eiger

4 Tage Schweiz intensiv

Am verlängerten Wochenende rief die Schweiz. Genauer gesagt die Gegend um die Eiger-Nordwand. Folgte ich dem Ruf des Eiger Ultra Trails, folgte meine Frau dem Ruf eines entspannten Bergwochenendes mit der Gelegenheit ein paar Fotos zu schießen und gleichzeitig noch das virtuelle „Ich war hier“-Fähnchen in der Schweiz zu platzieren.

Grindelwald ist der Ausgangsort. Klischee Schweiz. Kühe, Holzhäuser, Blumenkästen, indische und japanische Touristen, grünes Tal, weiße Bergspitzen, Schokolade und Käse. Der Freitag ist der entspannte Tag. Nach der Startunterlagenausgabe und einem Abstecher in die Eiger Gletscherschlucht heißt es bei sonnigem Wetter ausspannen und mental auf die anstehenden 101 Kilometer und 6.700 Höhenmeter vorbereiten. Meine Frau plant die Bergbahnroute und will mich während des Laufs besuchen. Am First und wenn möglich noch am Faulhorn, dem höchsten Punkt des Rennens. Das tolle an so einem Ultra Trail ist, in relativ kurzer Zeit bekommt man die Bergwelthighlights präsentiert, in dem man auf den schönsten Routen über Berge und um das Tal herum läuft. Also wirklich perfekt für einen Kurzurlaub.

Aufbruch mitten in der Nacht

Um 4.30 Uhr in der Frühe geht es dann im Dunkeln los. Relativ schnell, relativ steil bergan, in relativ langsamen Anfangstempo. Der Sonnenaufgang ist magisch. Meine Frau ist fast zufällig kurz vor der Verpflegungsstation am First, als ich auch gerade ankomme. Perfektes Timing. Danach geht es für mich zunächst erstmal wieder steil runter, während sie die Abkürung, aber den nicht weniger anstrengenden Weg zum 2.681 Meter hohen Faulhorn nimmt. Am Faulhorn gleiches Szenario. Fast gleichzeitig begegnen wir uns und sie hetzt mit mir die letzten Meter zum Gipfel hoch, bevor wir uns bis zum Zieleinlauf aus den Augen verlieren.

Richtig hart wird es nach Kilometer 58, als es von Wengen im Tal wieder komplett bis hinauf zur Bergstation am Männlichen auf 2.225 Meter geht. Die erste kleine mentale Herausforderung, weil die Beine einfach immer müder werden und ich mir die Frage stelle, ob es jemandem auffallen würde, wenn ich einfach die Bergbahn nehme.

Gewitterpause auf 2.000 Metern

Bei Kilometer 73, die Dunkelheit bricht gerade herein und ein Gewitter zieht auf, wird dann das Rennen unterbrochen. Ein Funktionär kurz vor der Station „Kleine Scheidegg“ informiert über die Unterbrechung und leitet die Läufer zum Schutz in die Station. Über zwei Stunden warten wir. Die Beine werden durch die Pause immer „saurer“ und bis zum Schluss ist unklar, ob das Rennen überhaupt fortgesetzt wird. Um 23.15 Uhr wird die Strecke verkürzt wieder freigegeben. Ein Höhenzug am Eigergletscher ist gesperrt und es geht direkt die letzten 12 Kilometer Richtung Tal. Nochmal anlaufen. Es dauert ein wenig, bis ich wieder im üblichen Trott bin und gen Tal spurte oder trotte, je nach Perspektive.

Anlaufen mit müden Beinen

Nach 19 Stunden Laufzeit + 2 Stunden Unterbrechung ist es dann vorbei und ich fühle mich im Ziel plötzlich wieder verhältnismäßig gut. In der Freude über das Finish schwingt ein bisschen Wehmut mit, dass es halt nicht der ganze Trail war, sondern nur knapp 88 km mit 5.600 Höhenmetern. Es fühlt sich nicht ganz komplett an. Aber zunächst einmal geht die Sicherheit der Läufer natürlich vor. Daher großes Lob an die Organisation des Eiger Ultra Trails, die einen perfekten Job gemacht haben. Die Erinnerung an die fantastische Strecke mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau lässt die Wetterkapriolen allerdings schnell vergessen und ich höre plötzlich einen neuen, lauten Ruf. Nämlich den von Schlafsack und Zelt.

Und ein Video sagt noch mehr als 1.000 Bilder. Zwar leider nicht unser Video, aber gut ist es trotzdem…

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