Dubai – City ad absurdum

Kennt Ihr es, dass Euch etwas fasziniert nur weil es irgendwie absurd ist? Dann ist Dubai genau die richtige Adresse.

Im Land des Gigantismus

Wer Dubai besucht, wird mit einem dem Gigantismus verschriebenen Bauwahn konfrontiert, der es ohne mit der Wimper zu zucken mit den Chinesen aufnehmen kann oder sie gar noch übertrifft. Es Dubai_Text (10)entstehen Bürohäuser, Hotels, Einkaufsmalls, gigantische Inseln, Straßen – es entsteht scheinbar alles, was bautechnisch irgendwie umsetzbar ist. Ob in die Höhe, Breite und Tiefe ist dabei egal, hauptsache absurd und gigantisch. Die ganze Stadt entsteht am Reißbrett, getrieben vom Wunsch des Scheichs das neue Wirtschafts- und Finanzzentrum am persischen Golf oder vielleicht auch der ganzen Welt zu werden.

Aber genau dieser ad absurdum geführte Gigantismus ist zunächst der gewisse Reiz, den diese Stadt ausübt. Megaprojekte begeistern die meisten Menschen einfach auf natürliche Weise und mir kommt ein gelesener Satz in den Kopf indem es heißt:

„Menschen bauen nicht das, was sie brauchen, sie bauen das, was sie können“.

Nirgendwo ist dieser Satz präsenter als hier in Dubai. Und auch wir drücken uns die Nase an der Scheibe zur riesigen Skihalle platt und wissen eigentlich gar nicht genau, warum es begeistert. Eine Skihalle in der Wüste ist eben einfach so absurd, dass sie begeistert. Schnee bei fast 50 Grad Dubai-3Außentemperatur. Nicht weniger platt ist die Nase an der 33 Meter breiten, über 8 Meter hohen und somit weltgrößten Acrylglasscheibe, welche den Blick auf die Unterwasserwelt des Dubai Aquariums freigibt. Ein fast ein Kilometer hoher Burj Khalifa ist so absurd, dass er begeistert. Ein 7 Sterne Hotel, wo eine Übernachtung so teuer ist, dass dem normal Sterblichen schon der Gang in die Lobby untersagt wird, ist genau so absurd. Es fehlt zur Komplettierung eigentlich nur noch das offizielle Schild „Durchschnittsverdiener müssen leider draußen bleiben“.

„Please don´t touch the car – please don´t touch the City“

Öffentliches Aufsehen erregt man zumindest immer noch, wenn man mit seinem Ferrari direkt vor der Tür der Dubai Mall parkt, das Schild „Please don´t touch the car“ aufstellt und mit der selbstverständlichen Gewissheit durch die Nobelboutiqen a la Gucci, Chanel, Prada oder Louis Vuitton spaziert, dass der Preis keinen nennenswerten Einfluss auf die Kaufentscheidung haben wird.

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Dubai Mall, überdacht und natürlich klimatisiert, die mit ihren über 1200 Shops von oben eher wirkt wie eine Stadt, als ein Shoppingcenter, ist nicht weniger absurd als Palm Jumeirah, eine riesige künstliche Insel in Palmenform, die vor Dubai weit ins Meer ragt. Dies kann dann nur noch durch die geplante doppelt so große Palme bei Jebel Ali übertroffen werden. Wobei dieses Bauprojekt dann schon scheinbar so absurd ist, dass es vorerst einmal eingestellt wurde. Wenn Dubai sich nur noch mit sich selbst übertreffen kann, scheint die magische Grenze erreicht.

Was man mit Geld nicht kaufen kann

Was wir vermissen ist die Atmosphäre der Stadt, wir suchen das „Herz“ vergebens. Es scheint, die Leute pendeln hauptsächlich zwischen Wohnung, Arbeit und Shopping Mall. Das Leben auf der Straße fehlt uns. Und so wirkt Dubai für uns als Beweis, dass man mit allem Geld der Welt und den besten Architekten eines nicht erschaffen kann: Atmosphäre.

Zumindest ein wenig authentischer wird es in Deira dem alten Stadtteil von Dubai, wo sich dann auch ein wenig Leben auf den Straßen abspielt. Aber auch dort fühlen wir nicht den Puls der Stadt und Deira kompensiert nicht das seelenlose Dubai jenseits des Dubai Creek. Und genau deshalb hält diese Dubai Faszination leider bei uns auch nicht allzu lange an.

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Zu schnell weicht die Faszination der Erkenntnis, dass man hier eine Kunstwelt aus dem Wüstensand stampft und so gar nicht Recht die Antwort findet, warum in dieser drastischen Art.

Märchen aus dem Morgenland

Sicherlich entnimmt man den Medien, dass Dubai sich für eine Post-Erdöl-Ära rüstet. Nur ich frage mich, wenn das Erdöl verschwunden ist, wie kommen dann eigentlich die Touristen nach Dubai, für die diese ganzen Hotels entstehen? Wie kommen die Leute nach Dubai, die eines von hunderten Häusern auf den künstlich vorgelagerten Inseln erstanden haben? Wer wird die ganzen Büros benutzen? Was wird in den tausenden Läden der Shopping Malls verkauft und wie wird dort das Klima auf ein shoppingfreundliches Maß gedämpft? Ob diese Logik aufgeht?

Solarzellen oder andere alternative Energiequellen suchen wir vergebens. Zumindest dies hätten wir in großen Stil erwartet.

Dubai_Text (8)Den Bauwahn hat Dubai mittlerweile so weit getrieben, dass das eigene Geld vom Erdöl nicht mehr ausreicht, sondern auch ausländische Investoren der kapitalistischen Blase des Scheichs glauben schenken. Auch die ersten platzenden Blasen reichten nicht aus, das Konzept noch mal zu überdenken. Man baut einfach weiter in eine Zukunft, die sicherlich genauso wenig nachaltig konzipiert ist, wie der Umgang mit dem Erdöl selbst.

Für mich entsteht hier weniger der Eindruck, dass man sinnvoll über eine Zukunft ohne Erdöl nachdenkt, als dass ein größenwahnsinniger Scheich sich ein Denkmal setzen will.

Und wenn Dubai weiter in dieser Geschwindigkeit auf die Karte Gigantismus setzt, hat es aus meiner Sicht eine gute Chance, irgendwann ein weiteres Kapitel in den „Märchen aus dem Morgenland“ zu sein.

Mehr Impressionen von Dubai gibt es hier

One Comment on “Dubai – City ad absurdum

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