Der direkte Weg ins Paradies ist eine Kurve

Erst bei der Nummer 51 der bereisten Länder dieser Welt kann auch ich endlich den Namen „Italien“ auf meine Lieblingsliste schreiben. Verrückt, dass das so lange gedauert hatte. Ehrlich gesagt, dachte ich auch, dass wir mit dem Aostatal ein wenig schummeln würden – immerhin liegt es gerade einmal ein paar Kilometer hinter der Grenze – aber da hatte ich die Rechnung nicht mit den Italienern gemacht. Wo anderorts der Kulturkreis Alpen über dem eigentlichen Länderbewusstsein liegt, ist der Aoste, wie sich schnell herausstellte, gleich ein „Vollblutitaliener“.

Am späten Nachmittag schrauben wir uns bei über dreißig Grad mit unserem kleinen Leihwagen langsam die Serpentinen zu unserem Campingplatz ins Valsavarenche auf knapp 1600 Meter hinauf. Kurzzeitig amüsiert mich noch schwitzend die Vorstellung meinen dicken Schlafsack im Gepäck zu haben. Das ändert sich jedoch schlagartig als die Sonne hinter den Bergen verschwindet – es wird aufgezwiebelt. Nach einer durchaus frischen Nacht knapp über Null, freuen wir uns über den Service nicht nur „darke breate and white breate“ (dunkles und weißes Brot mit einem charmanten ital. Akzent) zum Frühstück erwerben zu können, sondern ebenfalls einen perfekten Cappuccino und einen heißen,megadicken ital. Kakao in die Hand gedrückt zu bekommen. Italien – wir sind angekommen.

 

            

Kurven fahren, Kurven wandern und uns kurvig essen

Der Nachteil an dem Wandergebiet rund um den Gran Paradiso ist, dass die Ausgangspunkte zu den jeweiligen Tageswanderungen in unterschiedlichen „Seitenarmen“ des Bergmassivs liegen, somit heißt es oftmals morgens 20 Kilometer im Schlängelkurs abwärts und in einem anderen Seitenarm wieder ein paar hundert Höhenmeter hinaufwinden. Auch die Wanderrouten selber halten an dem Serpentinenstyle fest, aber wie Marc immer sagt: „Jeder Höhenmeter zählt“ und die Aussicht lindert das Brennen in meinen Oberschenkeln. Die Gegend hier ist viel trockener als in anderen Regionen der Alpen, die Hänge noch steiler, somit zeigt sich eine völlig andere Vegetation und wie der Name des Nationalparks schon sagt, ein „paradiesisches“ Bergpanorama.

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Kleines Fazit: Natürlich waren wir sehr aktiv in unseren Tagen hier, aber was ist eure erste Assoziation zu Italien??? Natürlich: gutes Essen und guter Wein! Und der Sache haben wir uns mindestens genauso sehr gewidmet, wie der wunderschönen Natur. Dadurch, dass die meisten klassischen Hauptgerichte in Italien fisch- und fleischlastig sind, hatten wir eine gute Ausrede die ein oder andere Pizza zu genießen und das klappt, wie wir für uns feststellen mussten, am Besten mit einer Flasche Torrette aus dem Valle d’Aosta …

 

Ein paar Fakten für eure Reise

Wie komme ich ins Aostatal?

Wir gehen davon aus, ihr wollt im Aostatal unterschiedliche Wanderungen machen. Da ist das Auto fast unentbehrlich. Ihr reist entweder über Chamonix an und fahrt durch den nicht gerade günstigen mautpflichtigen Mont Blanc Tunnel, der Euch direkt nach Italien führt oder ihr kommt über den großen St. Bernhard Pass (zumindest im Sommer) von der Schweiz aus. Ein Abstecher nach Chamonix und Blick auf den Mont Blanc lohnt sich aber in jedem Fall

Wo übernachte ich?

Kommt drauf an, was ihr machen möchtet. Bei vielen unterschiedlichen Touren bietet sich schon fast die zentrale Übernachtung in Aoste selbst an, mit Tagesausflügen in die unterschiedlichen Täler. Wir haben uns für das Valsavarenche im Grand Paradiso Nationalpark entschieden. Dort verschlug es uns auf einen kleinen, einfachen, naturnahen Campingplatz mit tollen Zeltstellplätzen.

Was kann ich da so machen?

Einfache Antwort – Von unzähligen Wanderungen bis zur Besteigung von 4.000ern bei entsprechender Erfahrung fast alles, was man in den Bergen so machen kann. Es gibt unzählige Wanderungen in der Region Gran Paradisa, aber genauso gut in den benachbarten Tälern von Cogne oder La Thuile. Hier findet Ihr weitere Tourvorschläge.

Was waren unsere Highlights?

Eine schöne Wanderung geht zum Refugio Chabod hoch. Von dort gibt es einen guten Ausblick auf den 4.061m hohen Grand Paradiso. Von Cogne aus könnt ihr zur Sella Hütte aufsteigen. Mit ein bisschen Glück seht ihr Steinböcke. Cogne selber ist auch ein nettes, kleines Dorf mit guten Einkehrmöglichkeiten. Ein cooler Halbtagesausflug war auch die Wanderung am Wasserfallweg Cascate del Rutor in der Nähe von La Thuile. Aoste selbst verströmt definitiv schon italienischen Charme und verströmt Pizzaduft in den Gassen.

 

Beim Abstieg von der Sella Hütte begleitet uns dieser Gesell´

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