Island Wintertour Teil 3 Der Norden und Snaefellsness

Reise zum Mittelpunkt der Erde

Die letzten Tage brechen an. Ganz im Westen liegt die Halbinsel Snæfellsnes überragt vom gleichnamigen Gletscher. Begann für die Akteure im Jules Vernes Roman hier die Reise zum Mittelpunkt der Erde, soll für uns hier die Reise zu den Orkas beginnen. In den vor Grundafjödur liegenden Gewässern, sammeln sich in den Wintermonaten große Heringsschwärme, Orkas mögen Heringe und Touristen mögen Orkas. So schließt sich der Nahrungskreislauf erlebnishungriger Touristen. Man kann natürlich Walbeobachtungstouren buchen. Wer hätte das gedacht? Leider erwischt uns eine Sturmfront. Bei zwar sonst gutem Wetter wird die Tour kurzer Hand für die nächsten zwei Tage wegen zu stürmischer See abgesagt. Sehr schade. Glücklicherweise sind wir so flexibel, dass wir noch eine dritte Alternativmöglichkeit haben, aber auch diese steht unter einem großen Fragezeichen. Wir nutzen die Zeit die Halbinsel, welche auch den Spitznamen Kleinisland trägt, zu umrunden. Ganz im Osten, sozusagen im Windschatten des großen Berges, liegt fast überhaupt kein Schnee und so ergibt sich auch für uns auf dieser Reise noch eine ganz neue Perspektive. Wir klappern die teilweise spektakulären Küstenstreifen ab, finden eine kleine Seehundkolonie und genießen den Tag auch ohne Orkas.

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Boote

Da wir dieses Mal bereits unsere Unterkünfte vorgebucht haben, müssen wir uns am nächsten Morgen bereits auf den Rückweg Richtung Borgarnes machen. Die kleine Stadt liegt rund 150 Kilometer von Grundafjödur entfernt und bietet so immer noch die Möglichkeit eines Quick and Dirty Backtracks insofern der Wind plötzlich doch noch nachlässt und die Orkatour startet. Wir kommunizieren noch mit dem Veranstalter, dass er uns doch bitte frühzeitig Bescheid gebe, wenn die Tour doch noch abgesagt würde, weil wir sonst einen großen Umweg fahren müssten. Man wird es schon ahnen. Am Morgen nachdem keine Mitteilung erfolgte und wir uns kurz vor dem Fischerort noch wundern, dass trotz dieses starken Windes die Tour heute stattfindet, sagt man uns dann im Büro: „Sorry. Heute Morgen hat der Kapitän kurzfristig entschieden die Tour abzusagen.“ Er erhält von uns den Spitznamen Captain Morgen. Wir sparen das Geld für die Tour und genießen stattdessen 300 Extrakilometer durch die isländische Landschaft. Ohne Schwertwale.

Wir sehen die Kontinentalplatten vor lauter Touristen nicht

Es geht auf die letzte Etappe wieder Richtung Reykjavik mit einem kurzen Stopp in Thingvellir. Ursprünglich handelte es sich bei diesem Ort um den traditionellen Versammlungsort der in der Wikingerzeit hohe Bedeutung hatte. Heute versammeln sich hier wieder die Reisebusse, die den Ort im Rahmen des Golden Circle Programms anfahren. Das Gebiet hat nun wieder eine hohe Bedeutung. Die Einnahmen der Parkplatzgebühren müssen recht stattlich sein und auch die Kaufartikel im Visitor Center werden nochmal gut mit 1/3 beaufschlagt. Eurasien und Amerika treffen hier inmitten einer ungeahnten Zahl von Touristen aufeinander. Selbst tauchen kann man im Grabenbruch in der Silfra Spalte. Das Wasser ist unfassbar klar. Es kommt von einem entfernten Gletscher und wurde jahrelang durch das Vulkangestein gefiltert. Nach der Ruhe der letzten Tage, ist uns hier aber mittlerweile wieder zu viel Trubel. Die Gegend ist zwar sehr hübsch, aber das Gewusel der asiatischen Reisegruppen macht uns mehr als nur ein bisschen nervös. Wir schauen uns nur an und sind uns sicher. Es ist Zeit für den Aufbruch, Zeit unsere Tour zu beenden. Wir setzen uns ins Auto und fahren die restlichen Kilometer zurück in die Hauptstadt.

Jahrhundertschnee einfach weggeschmolzen

Reykjavik ist kaum wieder zu erkennen. Vor gerade einmal zwei Wochen waren die Straßen und Gehwege durch eine gewaltige Schneedecke bedeckt, jetzt erstrahlt die Stadt in einem Frühlingslook. Nur noch winzig kleine, weiße Flecken sind als Indizien des Jahrhundertschneefalls übrig geblieben. Wir ziehen noch einmal durch das Hafenviertel mit dem ikonischen Konzerthaus Harpa und ziehen in der Sonne unser persönliches Fazit. Auch wenn wir nicht die einzigen waren, die dem Wikinger Schlachtruf gefolgt sind, hatten wir eine großartige Zeit in diesem Land. Nun ist es mittlerweile schon fast frühlingshaft. Der Winter ist verschwunden und morgen verschwinden wir.

           

Und hier geht es zu Teil 2 unserer Reisereportage „Island im Winter“


Nicht vergessen!

Ihr wollt noch mehr Impressionen von Island im Winter sehen? Besucht unsere Flickr Gallerie mit den besten Bildern. Wenn ihr noch Tipps zum Thema „Winterreise in Island“ braucht, schaut kurz in unserer Rubrik Route vorbei. Und wenn ihr Euch noch mit Literatur versorgen wollt, können wir euch folgende Reiseführer empfehlen. Ein bisschen Gefühl für das Land, erhaltet ihr übrigens auch beim Lesen eines isländischen Romans. Habt ihr Fragen oder Ergänzungen – unsere Kommentarleiste wartet auf euch.

 

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