Landschaftsfotografie

Lasst uns kurz ein paar grundlegende Details klären

Für Landschaftsfotografien gibt es simple Regeln: Ein Motiv im Vordergrund benötigt einen angemessenen Hintergrund und ein schöner Hintergrund hat bestenfalls einen geeigneten Vordergrund. Oder das Panoramabild hat durch einen natürlich guten Aufbau, eine interessante Struktur, tolle Wolkenformation, Farben etc. eine selbstsprechende Dramaturgie. Dann solltet Ihr durch ggfs. ein paar VersucheSibuan_Malaysia_borneo den richtigen Bildausschnitt finden und die Formation zumindest im richtigen Licht in Szene setzen. Das funktioniert besonders gut am Abend oder Morgen. Der gedankenlose Panoramaschnappschuss von der Bergspitze oder vom Fernsehturm wirkt selten spannend oder dramatisch.

Erinnern wir uns, was wir einmal über Tiefenschärfe gehört haben. Denn die kommt nun besonders zum Tragen. Tiefenschärfe ist das Verhältnis von Schärfe im Vordergrund in Bezug zur Schärfe im Hintergrund. Ein unscharfes Objekt im Vordergrund hat in der Bildkomposition bei der Landschaftsfotografie eher nichts verloren. Natürlich gibt es bestimmte Ausnahmen.

Wie erreichen wir das nun? Wieder ist eine kleine Blendenöffnung das Mittel zum Erfolg (kleine Blendenöffnung = große Blendenzahl). Die haben allerdings den Effekt, dass teilweise länger belichtet werden muss. Gerade wenn die Lichtverhältnisse nicht gut sind. Ein Stativ oder eine feste Kameraauflage ist unverzichtbar. Sonst besteht Verwacklungsgefahr. Ein Weitwinkelobjektiv leistet hier zusätzlich gute Dienste, denn es bietet nicht nur den Vorteil eines weiten Blickwinkels (wer hätte das gedacht?), sondern besticht auch durch eine großartige Tiefenschärfe und Lichtstärke.

Kaikoura_Neuseeland

Kommen wir zur Praxis. Landschaftsfotografie und Bildaufbau.

Raumaufteilung und räumliche Tiefe sind die wichtigsten Aspekte bei der Landschaftsfotografie. Vorder- und Hintergrund sind dabei gleich scharf zu stellen. Der Fokus liegt auf dem Horizont oder einer mittleren Ebene. Licht, Linien und Raumaufteilung müssen einen fast dreidimensionalen Effekt bewirken, um den Betrachter ins Bild zu ziehen. Ein weiterer Trick Raum und Weite entstehen zu lassen, ist die Einbeziehung massstabsbekannter Gegenstände wie Tiere, Menschen oder Pflanzen. Geht natürlich nur, wenn diese auch vorhanden sind. Auch funktionieren künstliche Objekte wie Zäune oder Häuser. Das lässt den Betrachter die wirklichen Maßstäbe besser erkennen und abschätzen. Banks_Peninsula_Neuseeland

Sucht in der Landschaft klare Linien oder Formen, die sich zum Horizont bewegen oder Formen im Vordergrund, die mit Formen im Hintergrund harmonieren.

Habt Ihr in einer genialen Landschaft ein ebenso geniales Vordergrundobjekt entdeckt, dann platziert dies auf keinen Fall direkt in die Mitte des Bildes. Das wirkt langweilig. Der „Goldene Schnitt“ besagt, dass der Mensch die Aufteilung einer Fläche oder Strecke im Verhältnis von etwa 3:5 als besonders harmonisch empfindet. Und genau das ist die Formel um Euer Bild aufregender zu gestalten.

Eine Frage der Perspektive

Auch muss nicht immer alles in Augenhöhe fotografiert werden. Geht mal in die Knie, legt Euch hin, probiert alles aus, um von den Standardschnappschüssen im Vorbeigehen wegzukommen. Nehmt Euch Zeit, Landschaften laufen definitiv nicht weg. Bei interessanten Strukturen in Bodennähe kann es Sinn machen, den Horizont möglichst weit oben zu platzieren. Sind bei gleicher Aufnahmesituation allerdings dramatische Wolken im Hintergrund, versucht auch eine andere Perspektive.

Manchmal lohnt es sich auch ein paar Minuten zu warten. Licht- und Wolkenverhätlnisse verändern sich manchmal zum Vorteil.

Am stärksten wirken geschichtete Bilder in denen ebenfalls ein Mittelgrund enthalten ist. Sie fügen den zwei Hauptebenen –Vorne- und –Hinten- noch eine dritte Ebene hinzu.

Himalaya_Annapurna_RegionAls weiteres technisches Feature nutzen wir gerne einen Polarisationsfilter, der die Kontraste zwischen blauem Himmel und Wolken erhöht. Insgesamt die Farben kräftiger wirken lässt. Aber das ist eher Geschmackssache.

Schaut Euch die vor Euch liegende Landschaft in Ruhe an, lest sie und macht Euch vorher Gedanken, was Ihr genau darstellen wollt. Es gehört ein wenig Übung dazu. Auch  direkt vor der Haustür lässt sich das wunderbar umsetzen, was wir leider manchmal auch vergessen.

Ihr solltest das Grundprinzip nun verstanden haben, der Rest ergibt sich durch Probieren.

 

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