Mikroadventure im Hunsrück

Oder: Warum in die Ferne schweifen, wenn…?

Kurzurlaub vor der eigenen Haustür ist immer gut für eine Überraschung. Irgendwie ertappen wir uns ja selbst zu oft bei dem Gedanken, dass Deutschland als Urlaubsziel irgendwie langweilig ist. Aber sobald wir uns dann auf einen Kurztrip in die heimischen Gefilde machen, finden wir das irgendwie gar nicht mehr. Irgendwie ist es sogar irgendwie spannend.

Bergschluchten_Ehrenburg (5)Zwischen Mosel und Rhein verschlägt es uns für ein Wochenende in die Hügel des Hunsrücks und so wird uns mal wieder schnell klar, dass auch vor der eigenen Haustür nette Landschaften und Wandererlebnisse warten, wenn man erst mal den Ruhrgebietsmoloch verlassen hat. Obwohl wir zugegebenermaßen hier im Bergischen Land ja schon ein wenig verwöhnt sind. Zumindest im Vergleich zu den großen Nachbarstädten.

Die etwas kitschig klingende „Schmausehütte“, ein kleines Holzhaus fast mitten im Wald, in der Nähe des „weltbekannten“ Emmelshausen, war unser Basislager für Wanderungen in die hunsrückische Umgebung. Zusätzlich hielten wir noch zwei Gutscheine für den wortwörtlichen Schmaus in unseren Händen. Um die Kultur so richtig in uns aufzunehmen, reichte es auch noch für ein Gläschen auf zwei eines erfrischenden Moselrieslings.

Schmausehütte (3)   Schmausehütte (2)

Aber vor den Lohn wurde bekanntlich der Fleiß gesetzt. Den Tagesrucksack geschnürt setzen wir uns mit reichlich Frühstück im Bauch in Bewegung. Wollten wir zunächst eigentlich einen anderen Wanderweg gehen, so befinden wir uns nach fehlerhafter Parkplatzsuche plötzlich auf dem Berg-Schluchten-Wanderweg, der seinem Namen alle Ehre macht. Mit knapp 19 Kilometern und 900 Höhenmetern bietet er nette Ausblicke auf Berg, Tal und Mosel und entlohnt am Ende noch mit einem Besuch auf der wirklich sehenswerten Burg „Ehrenburg“.

Am zweiten Tag drehen wir unsere Runde durch die Baybachtalklamm, eine der „Traumschleifen“ der Gegend oder auch Hunsrückweniger marketingaffin einfach „Rundweg“ genannt. Landschaftlich ebenso reizvoll wie der erste Tag, allerdings mit deutlich weniger Höhenmetern im Auf- und Abstieg fragen wir uns am Ende nur: Wo genau war jetzt eigentlich die Klamm? Man Baybachklamm (15)sollte hier nicht die typische Alpenklamm vor dem geistigen Landschaftsauge haben. Die Klamm lässt sich an einigen Stellen durch die Enge des Tales nur erahnen. Ein paar Wegabschnitte sind an den Stellen zusätzlich mit Drahtseilen gesichert und ermöglichen dem ambitionierten Wanderer ein rutschfreies Absteigen über zwei, drei Felsstufen und erhöhen so den Abenteuerfaktor.

Und da die Gegend direkt zwischen Mosel und Rhein angesiedelt ist, lassen wir den Tag noch in der Nähe der Loreley ausklingen, beobachten die Schiffe auf Deutschlands größtem Fluss, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Unser Fazit: Fantastisches Wandern mit hohem Erlebnisfaktor. Eine ebenso fantastische Burgbesichtigung, bei fantastischem Wetter mit fantastischem Essen. Ein Superlativwochenende mit Wiederholungscharakter. Wobei das fantastische Wetter sicherlich nicht immer garantiert ist, was die Sache dann aber nur um einen Superlativ reduziert.

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