– Ungeplant durch das Baltikum – Teil 3/3 Estland

Kurz und bündig „Nein!“ lautet unsere Antwort gegenüber dem sichtlich irritierten Hostelrezeptionisten. „Habt ihr vorgebucht?“, war seine erste Frage nach unserem zweiten erfolglosen Versuch der Unterkunftssuche in Tallinn. Dabei sieht die Stadt wie leer gefegt aus. Zugegebenermaßen haben wir bei dieser Sichtwiese außer Acht gelassen, dass es erst 6.30 Uhr am Morgen ist, als wir den Fußweg vom Busbahnhof ins Stadtzentrum antreten. Welche Stadt ist um 6.30 Uhr nicht leergefegt? „Für wie viele Tage braucht ihr eine Unterkunft?“,“nur Tallinn_2 (14)heute und Samstag entgegnen wir“. Immer noch kopfschüttelnd blättert er durch die Reservierungen. „Wir sind 6 Wochen ausgebucht und haben nur heute und am Samstag noch ein Zimmer, ihr habt vielleicht ein Glück“.

Kreuzfahrer überfluten die Stadt

3 Stunden später erleben wir die Stadt in einem anderen Licht. Gefühlte 10 Kreuzfahrtschiffe haben die menschliche Fracht auf die Stadt losgelassen, die nun hinter einem roten, hoch erhobenen Schirm hertrotten. Nach dem sonst doch eher relativ ruhigem Baltikum müssen wir uns hier gewaltig umstellen. Grund genug uns direkt umzuhören, wie wir unser Motto auch hier umsetzen. Schon zuvor haben wir auf der Landkarte den nahe gelegenen Laheema Nationalpark ausgemacht, in den wir direkt am nächsten Morgen aufbrechen.

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Am heutigen Tag schlendern wir weiter durch die Stadt. Entgegen den anderen Hauptstädten wirkt Tallinn ein bisschen wie ein Themenpark. Die Häuser sind schon fast ein bisschen „too much“ renoviert, Kellner in den Restaurants am Stadtplatz und Straßenverkäufer sind in mittelalterlicher Robe verkleidet, die Menschenmassen tun ihr Übriges dazu.

Getreu unserem Motto: Stadt und Nationalpark

Im Besucherzentrum erfahren wir dann noch, es fährt kein direkter Bus von Tallinn in den Laheema Nationalpark. wir müssen also ein bisschen improvisieren. Vom zentralen Busbahnhof fahren mehrere Busse am Tag nach Rakvere. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke hält der Bus in Viitna. Die restlichen 6 Kilometer nach Palmse zum Besucherzentrum gehen wir einfach zu Fuß. Das ist der Plan.Lahemaa_3 (19)

Je später der Nachmittag wird, desto leerer wird auch die Stadt. Die Besucher folgen wie magnetisiert dem „roten Schirm“ zurück zum Schiff. Wir genießen die neue Ruhe der Stadt auf dem Weg zum Hügel am Schnelli Park. Von dort hat man wirklich geniale Ausblicke auf die Dächer der Altstadt.

Der Morgen überrascht uns mit bedecktem Himmel. Als wir mit dem Bus Viitna erreichen, halten die Wolken nicht länger den Regen zurück. Wir streifen uns die Regenklamotten für den 6 Kilometer langen Weg zum Besucherzentrum des Laheema Nationalpark in Palmse über. Kurz darauf hält ein Auto neben uns an, hat Erbarmen und bietet uns an, die letzten unspektakulären Kilometer einfach mitzufahren. Das lassen wir uns nicht entgehen.

Trekking im Laheema

Im Visitor Center holen wir uns schnell ein paar Informationen, eine Karte, schauen den Infofilm über Lahemaa_1 (27)die Natur des Parks und machen uns bei aufklarendem Himmel in Richtung Vosu auf den Weg. Trekking im Laheema Nationalpark ist nicht ganz so einfach. Zwar gibt es viele einzelne, kürzere Wege durch die Natur, aber zwischen durch müssen wir immer mal wieder über die Straßen laufen. Wir basteln uns eine Runde von knapp 40 km zusammen, die uns zumindest Wald und Küstenbereiche näher bringt.

Das ultimative Ziel unseres Weges heißt Käsmu. Auf dieser Landzunge des Parks Lahemaa_3 (10)gleich am Meer, wo der Wald praktisch nahtlos in den Strand übergeht, sind überall Findlinge verteilt. Die Felsbrocken in allen Größenformaten, „von der Sauna eines armen Mannes bis zu einem imposanten Herrenhaus“ – so wurde das Größenspektrum im Infofilm bezeichnet, wurden in der Eiszeit durch die Gletscher Skandinaviens in diese Gegend getragen.

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Zurück nach Tallinn

Die letzte Etappe unserer Reise führt uns zurück in die Hauptstadt Estlands. Wir haben noch einmal die Möglichkeit Frieden mit der Stadt zu schließen. Da wir bereits die Menschenmassen antizipieren gelingt uns dies auch deutlich besser. Da es schon mit dem geheimen Bunker in Lettland nicht funktioniert hatte, starten wir hier den neuen Versuch, die ehemalige KGB Abhörzentrale im Hotel Viru zu besuchen. Aber das Glück ist uns erneut nicht hold. Leider gibt es nur noch Tickets für die finnische Tour und unsere Finnisch-Kenntnisse beschränken sich auf Eins, Zwei und Guten Tag. Also nehmen wir ein anderes Stück deprimierender Sowjet Geschichte mit und machen einen Spaziergang zum ehemaligen Gefängnis Patarei, was heute besichtigt werden kann. Alles wirkt, als wäre das Gefängnis gerade erst verlassen worden. Seit 13 Jahren steht es nun leer und eins steht fest, wer hier saß, hatte nicht besonders viel Spaß.

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Das Fazit der Reise lautet abschließend für uns, „Ungeplant durchs Baltikum“ war genau der richtige Stil für diese Reise und bis auf die beiden Ausfälle des Ticketkaufs zum geheimen Bunker und zur KGB Abhörzentrale hätte es nicht besser funktionieren können. Das Baltikum avancierte schnell zu einem echten Geheimtipp für uns. Fast so geheim wie der Bunker.

Ihr wollt zurück nach Lettland oder Litauen???

Wenn Ihr unsere Reise in bewegten Bildern erleben wollt, dann kommt Ihr genau hier zum Video . Und wenn ihr es eher gemächlich mögt, dann solltet Ihr unser Bilderset auf Flickr keinesfalls verpassen.

 

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