– Ungeplant durch das Baltikum – Teil 1/3 Lettland

Ganz ohne Scherz. Das Baltikum stand eigentlich weder auf unserer Hitliste der kurzfristigen noch der langfristigen Wunschreiseziele . Doch fast wirklich über Nacht, nach einem kurzen Blick auf die Landkarte und dem aufkeimenden Wunsch irgendwas im Norden zu machen, schauten wir uns an und waren uns einig: Baltikum. Und weil die ganze Sache schon irgendwie unter dem Zeichen des Ungeplanten stand, machten wir dies gleich zum Motto und verzichteten auf eine detaillierte Vorplanung. Flug nach Riga, Rückflug von Tallinn und die ersten zwei Nächte in Riga waren das Rahmengerüst für unser Motto „Baltikum ungeplant“.

Riga, Gateway ins Baltikum

Riga, Hauptstadt von Lettland ist dann auch unser „Gateway“ ins Baltikum. Ziehen am Samstagabend Riganoch englische Gruppen von Junggesellenabschieden heiter und lautstark durch die Gassen der Stadt, was wohl nicht einzig auf die Begeisterung über Riga zurückzuführen ist, werden sie am kommenden Morgen durch einen übersichtlichen Strom von Touristen abgelöst, dem wir uns unauffällig anschließen. Nicht weniger begeistert, aber zumindest weniger alkoholisiert.

Einen kompletten Tag nehmen wir uns für einen ausgiebigen Rundgang durch Riga Zeit und sind dafür mit einer Stadtkarte aus unserem Hostel ausgerüstet. Was muss man nun in Riga gesehen haben? Riga hat keinen Eiffelturm, keine Towerbridge, kein weltbekanntes Wahrzeichen, aber dafür hat es einen ganz besonderen Charme, der die kleineren Dinge liebenswert macht. Eine Stadt „Einfach zum drauf los laufen“ nennen wir dieses Phänomen gerne. Und so laufen wir einfach drauf los.

Verlaufen kann man sich sowieso nicht, wenn man nicht weiß, wo man ist

Vom Hostel aus sind wir mit einer genialen Stadtkarte ausgerüstet. Was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen, ist, dass in dieser Karte die Beschriftungen der Sehenswürdigkeiten komplett vertauscht sind und das genau ist das Geniale. So finden wir uns auf dem gedachten Weg zum Zentralmarkt Riga_2 (2)plötzlich vor dem Terminal für Schiffe wieder, der Weg zum Pulverturm führt uns vor ein noch nicht identifiziertes Gebäude. Es braucht noch zwei weitere Anläufe, bis wir den Irrtum erkennen. Belohnt werden wir dafür, mit vielen Eindrücken und sind in unserem Motto erneut bestätigt. Verlaufen kann man sich sowieso nicht, wenn man nicht weiß, wo man ist.

Unsere große „intuitive“ Stadttour führt uns durch die Gassen der Altstadt,Art_Nouveau_Riga entlang des Ufers der Daugava ins Art Nouveau Viertel in die Elizabetes und Alberta Iela mit ihren renovierten Jugendstil Prachtbauten, durch den Park in Richtung Freiheitsdenkmal und Christi Geburt Kirche, zum höchsten Aussichtspunkt im Baltikum dem obersten Stockwerk der „Akademie der Wissenschaften“ und zum Abschluss ins alte Speicherviertel der Stadt in der Nähe vom Zentralmarkt.

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Gauja Nationalpark, das grüne Lettland

Da wir unseren Urlaub natürlich nicht komplett in der Hauptstadt Lettlands verbringen wollen, suchenGauja_1 (19) wir im örtlichen Besucherzentrum nach einer grünen Alternative. Nach einem kurzen Blick durch die Broschüren und einem Gespräch mit den Mitarbeitern steht das nächste Ziel fest: Gauja Nationalpark. Trekking möglich. 1,5 Stunden von Riga mit dem Bus entfernt. Ca. 45 KM Wanderung. Rückweg von Cesis, unserem Ziel, ebenfalls ans Busnetz angeschlossen. Rückfahrt nach Riga möglich. Alles perfekt. Wir fahren zum Gauja.

Das öffentliche Busnetz ist im Baltikum ohnehin sehr gut ausgebaut und so lässt sich vom zentralen Busbahnhof in Riga so gut wie jeder Ort erreichen. Unser Ausgangspunkt für das Trekking im Gauja Nationalpark ist Segulda und wird gleich mehrfach am Tag angefahren.

Bei Sonnenschein starten wir und machen vor unserer Wanderung, nach Ankunft am Gauja erst einmal Zwischenstopp in einer ungewöhnlichen Unterkunft. Ungefähr 4 Kilometer aus dem Dorf heraus, mitten im Wald, direkt am Fluss Gauja stehen 3 „Safarizelte“, eine kleine Küche gibt es vor Ort und eine Stelzenzelt_GaujaKomposttoilette mit Dusche. Der Besitzer erwartet unsere Ankunft, erklärt uns kurz alles und verschwindet dann. Wir sind alleine in unserer Zeltstadt. „Falls etwas sei“, sagt er noch „ruft mich einfach an. Wenn ihr noch einen Tag dran hängen wollt, bekommt ihr den zum halben Preis. Legt das Geld dann einfach auf der Tisch“. Das war alles.

Biggest cave of the Baltic

Bevor es weiter nach Ligatne geht, erkunden wir zunächst einmal die nähere Umgebung mit dem Ziel Gutmann Höhle. Die ca. 7 Meter tiefe Höhle wird protzig als „biggest cave of the Baltic“ deklariert, wüsste man nicht, dass man es Höhle nennt, hätte ich es eher Felsüberhang getauft. Aber wenn es nichts größeres im Baltikum gibt, dann ist das eben the biggest cave. Im Eingangsbereich haben sich zahlreiche Besucher der letzten Jahrhunderte im weichen Sandstein verewigt.

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Die Höhle ist weniger spektakulär. Aber der Weg ist das Ziel und die Gegend schon ziemlich nett. Für den Rückweg nehmen wir die alte Seilbahn über die Gauja, erhaschen ein paar Blicke aus der Vogelperspektive bevor es zurück zu unserer privaten Zeltstadt geht und wir uns auf den Track nach Ligatne vorbereiten.

Trekking im Gauja Nationalpark

Die Wegfindung gestaltet sich nicht allzu schwierig. Zwar ist der Weg nicht durchgängig eindeutig Gauja_4 (2)ausgezeichnet, aber immer am Fluß entlang stellt nicht einmal eine Schildkröte vor große navigationstechnische Herausforderungen. 22 Kilometer schlendern wir in gemütlichem Tempo an der Gauja entlang bis wir am späten Nachmittag Ligatne erreichen. Ligatne, nicht mehr als ein 100 Häuser Dorf, ist mit zweisprachigen Schildern in alle Richtungen ausgezeichnet. Irgendwie muss die EU hier Geld übrig gehabt haben und dachte 20 Schilder mehr können nicht schaden. Man könnte meinen, nicht weniger als 1.000 Touristen würden hier täglich einkehren und jede ausgeschilderte Flußwindung und jeden Felsen touristisch konsumieren. An diesem Tag scheinen wir ehrlich gesagt die einzigen Touristen zu sein und wir würden die waghalsige Prognose wagen, auch an vielen anderen Tagen sieht dies nicht anders aus. Der Charme des Dorfes ist aber unbestritten und gibt einen Einblick in den typischen Alltag der Lettländer.Gauja2

Die Dame an der Touristeninfo scheint förmlich überrascht, dass wir sogar eine Unterkunft für die Nacht suchen. Aber sie ist sehr bemüht und telefoniert ein bisschen herum. Sie wird fündig. Der Vermieter, nicht weniger überrascht, braucht allerdings erst noch gut 1 Stunde um das Gästezimmer herzurichten.

Am nächsten Tag geht es weiter zu unserem vor-läufigen Endpunkt der kleinen Stadt Cesis. Die Route weicht nun ein wenig von der Gauja ab. Wir sind jedoch vorbereitet, denn die freundliche Dame von der Touristeninfo hat uns gleich mit einer Karte ausgestattet. Und die trug sogar die richtigen Beschriftungen.

Cesis        Cesis (4)

Da wir früh genug losziehen haben wir noch den ganzen Nachmittag in Cesis. Die kleine Stadt gefällt uns ziemlich gut. Alte Holzhäuser, schön renoviert, machen den Charme der Altstadt aus. Ein kleines fotogenes, mittelalterliches Schloss ziert das Zentrum. Ein Nachmittag reicht aus, um die Stadt ausgiebig zu erkunden.

Die nächste Konsequenz der Reise

Am nächsten Tag geht es zurück nach Riga zum zentralen Busbahnhof. Denn wir haben schon unsere nächste Idee. Wir wollen ans Meer und wir wollen nach Litauen. Und da bietet es sich an, diese beiden Dinge auf der kurischen Nährung zu verbinden. Zurück am Busbahnhof klären wir dann die Details. Ein Minibus fährt am Nachmittag nach Klaipeda. Dem Ausgangspunkt für die Fähre. 5 Minuten später halten wir die Tickets in der Hand.

Und weiter geht es nach Litauen…

Wenn Ihr unsere Reise in bewegten Bildern erleben wollt, dann kommt Ihr genau hier zum Video . Und wenn ihr es eher gemächlich mögt, dann solltet Ihr unser Bilderset auf Flickr keinesfalls verpassen.

2 Comments on “– Ungeplant durch das Baltikum – Teil 1/3 Lettland

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